Was steckt überhaupt hinter „fairer Elternschaft“? Sollt ihr euch jetzt alles 50:50 aufteilen? Was ist überhaupt „fair“? Auf dieser Seite möchte ich euch einen Überblick darüber geben, was „faire Elternschaft“ sein kann und wie ihr davon profitieren könnt.

Fairness
Fair·ness
/ˈfɛːɐ̯nɛs/
Substantiv, feminin [die]
anständiges Verhalten; gerechte, ehrliche Haltung andern gegenüber

Da das Thema sehr umfangreich ist und es dazu einiges zu erzählen gibt, ist der Überblick auf dieser Seite ganz schön umfangreich geworden. Ob ihr einfach nur mal “querlest”, oder wirklich alle Absätze, steht euch natürlich frei. Die Beratung zu dem Thema findet ihr hier.

Was ist überhaupt fair?

Kurz zu Beginn: Der Einfachheit halber schreibe ich von Müttern und Vätern. Natürlich sind hier auch alle anderen Konstellationen gemeint, auch wenn trotzdem viele Aspekte besonders auf heterosexuelle Eltern zutreffen, die sich Elternschaft heutzutage oft nur theoretisch „teilen“.

Praktisch sieht das Ganze leider ganz anders aus. Durchschnittlich beziehen Väter aktuell nur 3,7 Monate Elterngeld, Mütter hingegen 14,3 Monate, um nur ein exemplarisches Beispiel zu nennen.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an: Früher waren die Aufgaben in einer Familie prinzipiell klar verteilt und wie es den Familienmitgliedern dabei ging, war zweitrangig bzw. wurde einfach gar nicht thematisiert. Der Vater ging arbeiten, um das Geld für die Familie zu verdienen. Die Mutter kümmerte sich um den Haushalt, die Kinder, das soziale Umfeld und alles, was für das Familienleben sonst noch wichtig war. Der Mann unterstützte sie dabei mit Tätigkeiten, die eher dem handwerklichen Bereich zuzuordnen sind. Wenn er hin und wieder am Wochenende die Kinder bespaßte oder nach dem Essen seinen Teller in die Küche brachte, konnte sie sich schon glücklich schätzen.

Auch wenn es im letzten Jahrhundert schon viele Veränderungen gegeben hat und einiges für uns inzwischen ganz normal ist, ist es noch lange nicht selbstverständlich, dass sich Eltern gemeinschaftlich und im engen Austausch die anfallenden Aufgaben teilen. Denn das ist es, was für mich „fair“ in diesem Zusammenhang bedeutet. Es muss nicht alles 50:50 aufgeteilt werden (was natürlich auch eine Möglichkeit ist), sondern es geht darum, dass die Beteiligten den Aufgabenberg kennen, der im Familienleben anfällt, im aktiven Austausch stehen und mit ihren aktuellen Zuständigkeiten und zukünftigen Plänen zufrieden sind. Das kann natürlich im Einzelfall auch auf die „frühere“ Rollenverteilung zutreffen. Denn auch hier gilt: Wenn beide zufrieden sind, spricht nichts dagegen, es sollten nur ein paar Sachen beachtet werden. Mehr dazu unter der Überschrift „Schon an die Zukunft gedacht?“

Das Spektrum, über das sich eure „Lösungen“ erstrecken können, ist gigantisch und zudem total dynamisch. Wenn ein Elternteil zum Beispiel beim ersten Kind viel Elternzeit nimmt, könnte es beim nächsten Kind vielleicht weniger nehmen, um sich einer wichtigen beruflichen Phase zu widmen. Oder ein Elternteil steckt eine Zeit lang beruflich zurück und sobald das jüngste Kind „aus dem Gröbsten raus ist“, wird im Traumjob in Vollzeit wieder gestartet. Ihr merkt vermutlich schon, was ich hier andeuten will: Die Gestaltung ist sehr individuell und sollte in Phasen geplant werden. Niemand muss sich also für die kommenden zehn Jahre festlegen. Wichtig ist vor allem  als Elternpaar miteinander im stetigen Austausch zu bleiben.

Und da sind wir schon beim nächsten wichtigen Thema: Kommunikation. Niemand erwartet, dass ihr euch im kräftezehrenden Alltag jeden Sonntagabend zwei freie Stunden schaufelt und über eure Lebenspläne und deren Umsetzung diskutiert. Trotzdem ist es unverzichtbar im „Team“, das ihr als Eltern seid, über das Bescheid zu wissen, was euch selbst und dem anderen Elternteil wichtig ist. Was übrigens den positiven Nebeneffekt hat, dass man sich auch als Paar nicht so schnell aus den Augen verliert.

Oft beobachte ich in meinen Beratungen, dass Paare davon überzeugt sind, dass sie schon „ziemlich fair“ leben. Auf konkrete Nachfragen wird allerdings klar, dass das eher eine subjektive Wahrnehmung ist. Es wird zum Beispiel angegeben, dass der Papa die Kinder etwa einmal die Woche ins Bett bringt, nicht weiß, welche Kleidergrößen die Kinder aktuell tragen oder was sie gerne essen, geschweige denn, dass er das kochen könnte. Ohne das kritisieren zu wollen, zeigt es, dass die Sichtweise darauf oft verzerrt ist und beiden gar nicht bewusst ist, wie groß dieser Aufgabenberg eigentlich ist, der rund um eine Familie entsteht und meistens primär auf einem paar Schultern lastet.

Da sind wir auch direkt beim nächsten Punkt: Fairness bei diesem Thema wird auch dadurch erschwert, dass die Erwartungen an Mütter schier unendlich hoch und damit komplett unrealistisch sind. Mütter sollen möglichst immer herzlich mit den Kindern umgehen, lächelnd Pausenbrote schmieren, Streits schlichten, das Zuhause schön und sauber halten, immer ein offenes Ohr haben, den Alltag organisieren, den Kindern Hobbys und Freundschaften ermöglichen, Kuchen für Feste backen, insgesamt eine gute Gastgeberin sein, bei den Hausaufgaben helfen, für einen gedeckten Tisch und passende Kleidung sorgen, gerne in den Schlaf begleiten und auch bei der zigsten Kinderkrankheitswelle die Familie lächelnd am Laufen halten.

Diese Liste wäre unendlich fortzuführen, ich glaube ihr könnt euch vorstellen, auf was ich hinaus will. Was wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten klingt, ist leider immer noch top aktuell. Dazu kommen inzwischen gegebenenfalls noch die Ansprüche, wie beruflicher Erfolg und das Pflegen der Paarbeziehung. Auch heute höre ich noch oft den (versteckten) Vorwurf, dass „sie sich nicht darüber beklagen soll, da sie es ja so gewollt hat“ und mir stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Nicht nur, dass sich kaum eine Frau wirklich wissend in diese Lebensphase und die damit zusammenhängende Mehrfachbelastung begibt, noch sind diese „Mütter-Standards“ sinnvoll, geschweige denn unumstößlich.

Genau wie das Bild vom Vater als „Allein-Ernährer“ der Familie. Denn auch damit sind längst nicht alle Väter bzw. Familien glücklich. Nicht nur, dass dies durch die Verantwortung einen ganz schönen Druck mit sich bringt, auch die Zeit, die dadurch für die Familie übrig bleibt, ist vielen zu wenig.

Durch den Fakt, dass Väter oft alleine für das Geldverdienen zuständig sind, haben sie auch oft Hemmungen überhaupt oder mehr als nur wenige Monate Elternzeit zu nehmen. Zu den Auswirkungen davon mehr unter der Überschrift „Wofür das alles?“

Ihr seht also, „fair“ kann ganz unterschiedlich verstanden und gelebt werden. Wichtig ist nur, dass in Familien mehr reflektiert wird.

Wunsch versus Realität

Bei vielen Elternpaaren ist zwar prinzipiell der Wunsch da sich gemeinschaftlich und fair aufgeteilt um die Kinder zu kümmern, in der Umsetzung fallen sie dann aber doch schneller als gedacht in alte Rollenmuster zurück. Zum Beispiel weil der Mann nur wenige Monate Elternzeit nimmt, die Frau dadurch mehr zu Hause ist, also auch mehr vom Haushalt übernimmt und der Mann nur “hilft” und “unterstützt”.

Unter der „klassischen“ Rollenverteilung wird verstanden, dass die Mutter (größtenteils) für das zuständig ist, was mit Kindern und Haushalt zu tun hat und der Vater erwerbstätig ist. Das kann, wie schon angesprochen, für einzelne Familien auch durchaus sinnvoll sein. Aber natürlich genauso andersrum, also mit dem Papa, der sich Zuhause um alles kümmert und einer Mama, die „Karriere macht“.

Nur ist es eben oft so, dass Paare in diesen Mustern „feststecken“, also gar nicht komplett von dieser Aufteilung überzeugt sind, sondern es einfach so machen, weil es sich so ergeben hat oder weil der Mann eben mehr verdient. Das kann dann dazu führen, dass ein Elternteil oder sogar beide unglücklich sind.

Es ist also wichtig regelmäßig zu überlegen, ob ihr mit der Situation, wie sie aktuell ist und mit der, die in einem Jahr sein wird, zufrieden seid. Die Antworten können sehr unterschiedlich sein. Wenn einzelne Aspekte stören gilt es, diese zu verändern. Wenn aber vielleicht immer im Hintergrund der verpasste Wunsch nach einem anderen Job oder einer weiteren Aus- bzw. Fortbildung oder einem Studium steht, kann das belasten. Andersrum genauso, wenn der Job zwar Geld nach Hause bringt, aber die Person mit den Arbeitsinhalten oder -bedingungen unzufrieden ist oder eigentlich viel mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte.

Auch wenn sich statistisch zeigt, dass Mütter immer mehr arbeiten, hängt das leider eher damit zusammen, dass die Familie auf das Geld angewiesen ist und weniger damit, dass es der Traumjob der Frau ist, in dem sie sich eine Karriere aufbauen möchte. Mütter hängen also oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen fest, arbeiten zum Beispiel auf 450 €–Basis oder in Teilzeit, weshalb sie in ihrem Leben ca. 40 Prozent weniger Einkommen als kinderlose Frauen erwirtschaften. Bei drei oder mehr Kindern sind es sogar fast 70 Prozent weniger. Bei Männern hingegen ändert sich das Gehalt mit einer Vaterschaft kaum. Tendenziell steigt es sogar eher .

Auch die Anzahl der Elternteile, die in Teilzeit arbeiten, ist sehr eindrucksvoll: Im Jahr 2019 lag die Teilzeitquote von erwerbstätigen Frauen mit minderjährigen Kindern bei 66,2 Prozent. Bei erwerbstätigen Männern mit minderjährigen Kindern hingegen bei 6,4 Prozent.

Die Betriebe, die den Arbeitsmarkt mitgestalten, sehe ich da auch in der Verantwortung, zukunftsorientierte Akzente zu setzen. Nicht nur durch die Möglichkeit einer Kinderbetreuung oder der Teilzeitbeschäftigung, sondern ganz klar auch dadurch, dass entscheidende Positionen bewusst häufiger mit Frauen besetzt werden oder zum Beispiel durch die Möglichkeit, Führungspositionen mit zwei Teilzeitkräften zu besetzen. Interessant wäre beispielsweise: Wenn Frauen und Männer durch das Elternwerden ähnlich lange Elternzeit nehmen würden, würde das die Diskriminierung von potenziellen Müttern auf dem Arbeitsmarkt minimieren. Wenn sowohl Männer wie auch Frauen ähnlich lange aufgrund der Elternzeit im Job fehlen würden, wäre es für arbeitgebende Unternehmen irrelevant, Personen welchen Geschlechtes sie einstellen und es würden automatisch mehr Stellen mit Frauen besetzt werden.

Wir sehen also: Oft gibt es eine große Lücke zwischen dem, was sich Menschen wünschen und dem, wie es in der Realität aussieht. Letztendlich ist der erste Schritt sich dessen bewusst zu sein.

Schon an die Zukunft gedacht?

Was bei den ganzen Diskussionen oft untergeht ist der Blick in die Zukunft, denn langfristig münden u.a. die niedrigen Arbeitszeiten, die Mütter aufgrund der Kinderbetreuung etc. in Kauf nehmen, nicht selten in grausamen Rentenansprüchen für sie. Auch tragen zum Beispiel das immer noch geltende Ehegattensplitting (Ehepaare bei denen ein Part weniger verdient, werden steuerlich begünstigt) oder die oft wenig durchdachte Wahl der Steuerklasse zu den Ungleichheiten bei.

Um dem entgegen zu wirken, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise das Ersparen eines Ausgleichs oder das Einzahlen in eine private Rentenversicherung. Auch kann es sinnvoll sein, das Gehalt des Alleinverdieners zu „splitten“, um der anderen Person, die Möglichkeit zu geben, auch über einen Geldbetrag zu verfügen. Das Wichtigste ist aber, sich beraten zu lassen, da das deutsche Steuersystem sehr unübersichtlich ist und es sich lohnt, konkreter zu überlegen, was die individuell sinnvollste Lösung sein kann.

Auch lange Auszeiten im Beruf, durch die Erziehung von Kindern und den späten Wiedereinstieg bzw. die reduzierte Stundenzahl, hemmen die Karrierechancen von in der Regel Müttern. Mit der Familiengründung ist es also für Frauen wichtig, obwohl gerade alles andere wichtiger scheint, sich mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen.

Unsichtbare Arbeit

Nicht nur die meist unfaire sichtbare Aufgabenverteilung ist ein Thema, vor allem die Unsichtbare kann Paare unglücklich machen und trägt langfristig zu einer unausgeglichenen Gesellschaft bei. Stichwort “Mental Load”.

Es geht also um die Aufgaben, die um die augenscheinlichen To Dos herum koordiniert werden müssen und besonders die Verantwortung, die das mit sich bringt. Braucht das Kind neue Schuhe? Wann ist der Elternabend? Was kriegt die Schwiegermutter zum Geburtstag? Wann ist die nächste U bei der Kinderärztin? Braucht das Haustier neue Medikamente? Ist noch Sonnencreme da?

Auch wenn Väter Haushaltsaufgaben übernehmen, sind es meist die Frauen, die die vielen To Dos im Blick haben. Und das war jetzt nur mal ein klitzekleiner Ausschnitt, um euch zu zeigen, was ich damit meine. Wenn also die sichtbare Arbeit schon recht gut verteilt scheint, die Frauen aber abends im Bett grübeln, morgens beim Frühstückmachen organisieren, hier noch kurz etwas planen und eben immer den Überblick haben, kann das auf Dauer auch zu Problemen führen.

Wie lässt sich diese mentale Last also fairer verteilen? Hier gibt es inzwischen verschiedene Möglichkeiten, die nach und nach den „Druck“ rausnehmen bzw. umlagern. Geteilte Last ist in diesem Falle halbe Last.

Wofür das alles?

Hier möchte ich euch einen Überblick darüber geben, welche Vorteile es haben kann, nicht einfach unhinterfragt in alten Rollenbildern zu verharren. Natürlich kann ich hier nur einen kleinen Ausschnitt vorstellen und selbstverständlich sind auch die Vorteile je nach Lebensmodell sehr individuell, aber einiges ist eben auch allgemeingültig. Also schaut gerne einmal rein und lasst euch inspirieren. Noch ein Hinweis: Ich schreibe bewusst nicht in den „alten“ Kategorien, sondern von „Elternteilen“ oder „Personen“, auch wenn ihr das oft schon beim Lesen merken werdet, auf wen die Beschreibungen meistens eher zutreffen.

  • Da die Eltern die allergrößten Vorbilder für ihre Kinder sind, „inhalieren“ diese quasi das was zu Hause passiert und nehmen es als „normal“ wahr. Wenn also die Mutter den ganzen Tag herumwuselt, um die Familie zu versorgen und der Vater größtenteils abwesend und nur bei Freizeitaktivitäten dabei ist oder mal den Rasen mäht, wird das für die Kinder „normal“. Wenn beide hingegen präsent, aber auch abwesend sind, Aufgaben partnerschaftlich aufteilen und ein Team bilden, um die Familie zu managen, sendet das ein wundervolles Signal, es gibt nämlich ein WIR.
  • Eltern, die sich gemeinschaftlich um die Kinder und die anfallenden Arbeiten kümmern, werden beide Ansprechpartner*in für die Kinder in allen Lebenslagen sein. So haben die Kinder direkt (mindestens) zwei enge Bezugspersonen.
  • Außerdem wird den Kindern so bewusst, dass sie nicht festgelegt sind auf bestimmte „Geschlechterrollen“, sondern ihr Leben frei gestalten können und die Chance, dass sie später auch selbst in einer gleichberechtigten Partnerschaft leben, steigt.
  • Wenn die Kinder mitbekommen, wie viel Arbeit ein Haushalt macht, dass Aufgaben besprochen und Listen erstellt, sowie abgearbeitet etc., merken sie, dass das nicht einfach automatisch passiert.
  • Eltern, die sich beide (beruflich/ehrenamtlich/hobbymäßig) selbst verwirklichen, strahlen zudem dadurch auch Zufriedenheit aus, welche sich wiederum auf die Kinder überträgt.
  • Insgesamt stärkt faire Elternschaft die Empathie und die Wertschätzung der Kinder, wenn sie diese vorgelebt bekommen, die nicht einfach den „Standard“ nachleben, sondern in Kontakt miteinander stehen und sich bewusst sind, was es alles zu tun gibt.

  • Falls der Druck, für Kinder und Haushalt alleine verantwortlich zu sein, nur auf einer Person lastet, wird dieser weniger, wenn sich beide gemeinschaftlich um das Familienleben kümmern.
  • Wenn dieser Druck erstmal gelindert ist kann das dazu führen, dass für diese Person wieder Raum entsteht, sie dadurch mehr zu sich findet und gestärkt neue Herausforderungen angehen kann und will.
  • Wenn die früher „zuständige“ Person mal ausfallen sollte, z. B. weil sie krank ist, auf Geschäftsreise geht, Hobbys nachgeht oder in den Urlaub fährt, muss sie sich keine Sorgen mehr machen, denn die andere Person kennt den Alltag und braucht weder seitenlange Erklärungen noch muss sie zittern, ob die Kinder überhaupt einschlafen.
  • Die Person, die sonst viel gearbeitet hat und nur wenig Zeit mit den Kindern verbracht hat, genießt die Zeit, die sie nun mit den Kindern verbringt. Sie merkt aber auch, was für ein unfassbares Pensum es jeden Tag zu leisten gilt, wenn Kinder und Haushalt unter einen Hut gebracht werden wollen.
  • Sie lernt in der Zeit das Familienleben nochmal ganz neu kennen, kennt jetzt die aktuellen Kleidergrößen, weiß wo die Freunde der Kinder wohnen und kriegt alle Entwicklungsschritte hautnah mit – das schweißt zusammen.
  • Auch bedeutet es, dass die Person den Haushalt wieder aktiv mitgestaltet. Durch die Zuständigkeit beider, werden Entscheidungen gemeinsam getroffen, das „Zuhause“ gewinnt an Bedeutung und niemand fühlt sich als Gast oder Eindringling im „Reich“ des anderen.
  • „Mental Load zu teilen, schafft Freiräume“ (Patricia Cammarata, Raus aus der Mentalload-Falle, 2020) und ermöglicht beiden Elternteilen mehr „Zeit für sich“.
  • Die Person, die bisher alleine für die finanzielle Sicherheit der Familie zuständig war, muss das nicht mehr sein. Auch für sie verringert sich damit der Druck.
  • Elternpaare, die gemeinschaftlich für die Kinder sorgen, müssen nicht „Good Cop/Bad Cop“ spielen, also es ist nicht eine Person die „nervende Alltagsperson“ und die andere die „lustige Freizeitperson“, da sie beide im Alltag für ihre Kinder da sind.
  • Beide Elternteile werden von den Kindern ernst genommen, sie gehen auch bei schwierigen Themen und in herausfordernden Zeiten auf beide Elternteile zu.
  • Und nicht zu vergessen: „Je gleichberechtigter ihre Beziehung, desto glücklicher sind beide Partner.“ (Gemma Hartley, Es reicht, S.95)

Natürlich haben Paare, die sich bewusst mit der Verteilung von Aufgaben innerhalb der Familie auseinandersetzen auch eine gewisse Außenwirkung. Zum Beispiel wird der Vater, der länger in Elternzeit geht, ein Vorbild für Kollegen in seiner Firma, die sich diesen “Ausbruch” sonst vielleicht nicht getraut hätten. Er sorgt hier also mit für einen langsamen, aber stetigen Wandel.

Sind Väter schlechtere Eltern?

Die Annahme, dass Mütter „hormonell“ irgendwie eher dafür gemacht sind, Eltern zu sein, ist inzwischen fundiert widerlegt. Lasst uns doch mal gemeinsam einen Blick darauf werfen, was die Wissenschaft inzwischen dazu sagt.

2010 bewies eine Studie relativ überraschend, dass das „Kuschelhormon“ Oxytocin bei Vätern sowohl direkt nach der Geburt, als auch sechs Monate später, genauso hoch ist wie bei Müttern.

Auch der Testosteronspiegel von Männern nimmt automatisch ab, wenn sie Väter werden, bei „frischen“ Vätern ist er besonders niedrig und je mehr Zeit Väter mit ihren Kindern verbringen, umso niedriger ist das Hormonlevel.

Es erfahren also auch Väter hormonelle Veränderungen, ohne Schwangerschaft und Stillzeit.

Durch Hirnscans ist inzwischen auch bewiesen, dass die Hirnregionen, die für Emotionen, Belohnung, Bindung usw. zuständig sind, aktiver sind, je mehr Zeit ein Elternteil mit ihren Kindern verbringt unabhängig davon, welches Geschlecht eine Person hat oder ob sie in einer hetero- oder homosexuellen Beziehung lebt.

„Wenn du dich um dein Kind kümmerst, stellen sich deine Hormone und dein Gehirn darauf ein [und nicht andersherum]“, fasst Mai Thi Nguyen-Kim treffend zusammen.

Wir merken allerdings schon an der Zahl der Elternteile, die in Teilzeit arbeiten (Männer: 6,4% und Frauen: 66,2%), dass das immer noch am meisten Mütter tun.

Symbolisches Dorf

Was natürlich auch eine Rolle spielt, ist das „Dorf“, das es sprichwörtlich braucht, um ein Kind zu erziehen. Früher war es ganz normal, dass Menschen in Großfamilien zusammengelebt haben. Natürlich hatte das für alle Beteiligten Vor- und Nachteile. Aber im Kern ist es das, was sich viele auch heute wünschen. Eine Gemeinschaft, einfach weil es mehrere Menschen braucht, um ein Kind zu erziehen.


Einerseits, um dem Kind Erfahrungen mit verschiedenen Menschen zu ermöglichen, ihm verschiedene Bezugspersonen anzubieten. So kann es verschiedene Charaktere und Lebenswelten kennenlernen und von deren Erfahrungen profitieren. Es kriegt verschiedene Blickwinkel auf die Welt, auf das Leben und die Menschen mit. Es lernt verschiedenen Menschen zu vertrauen, lernt, dass sie sich um es kümmern, seine Bedürfnisse und Wünsche kennen und es sie um Rat fragen kann.

Andererseits ist ein Dorf dazu da, den Eltern Auszeiten zu ermöglichen. Egal wofür die genutzt werden, ob Erwerbsarbeit, ungestörtes Erledigen von Hausarbeit oder Terminen oder einfach nur um durchzuatmen und etwas für sich zu tun. Ob alleine oder als Paar. Oder exklusiv Zeit mit einem Kind zu verbringen, falls eine Familie mehrere Kinder hat. Außerdem ist es so für alle weniger wild, wenn Mutter oder Vater mal ausfallen, aus den unterschiedlichsten Gründen, da sie einfach auch andere Bezugspersonen haben.

Aber auch für die Dorfbewohner*innen kann ein Dorf sehr bereichernd sein. Sie lernen das Kind kennen, sehen die Welt aus dessen Sicht, erleben einen Bindungsaufbau, obwohl sie nicht die Eltern sind. Sie werden zu einer Vertrauensperson und erleben mit, wie es aufwächst, sich entwickelt und eine eigene Sicht auf das Leben entwickelt.

Ein Dorf kann das Leben erleichtern. Es braucht natürlich auch viel Kommunikation, die Beteiligten müssen sich regelmäßig austauschen und es läuft vielleicht auch nicht immer reibungslos, aber es kann sehr viel Entlastung bringen. Ihr seht also, das kann eine wundervolle Ergänzung zu einer fair gelebten Elternschaft sein und bringt enorm viele Vorteile in die Familie.

Du? Ich? WIR!

Ihr habt nun einen Überblick darüber bekommen, was faire Elternschaft bedeuten kann und welche Vorteile sie hat. Falls ihr selbst Interesse habt, eure Elternschaft fairer zu gestalten und euch dazu gerne beraten lassen wollt, ist meine Beratung „Du? Ich? WIR!“ genau das Richtige für euch.

Die Beratung ist total individuell und kann sich über verschiedenste Themenbereiche erstrecken.

  • Wir schauen uns den „Aufgabenberg“ an und werfen einen Blick auf verschiedene Möglichkeiten der Aufgabenbewältigung (also auch die Aufteilung des „Mental Load“)
  • Wir beschäftigen uns mit den komplexen Themen Elternzeit und Elterngeld
  • Ihr fragt euch: Wo will ich hin? Wo willst du hin? Wie kommen WIR gemeinsam da hin?
  • Wir ergründen eure beruflichen Möglichkeiten (Wochenstunden/Fortbildungen etc.)
  • Wir betrachten verschiedene Betreuungsoptionen (KiTa, Tageseltern und Weitere)
  • Ich stelle euch digitale Tools und Alltagshelfer vor, die euch unterstützen können

Wichtig ist mir dabei, dass es für euch Drei, Vier, oder Fünf (…) das Richtige sein muss. Sich selbst zu verwirklichen und ein aktives Familienleben zu führen, macht glücklich. Zudem trägt das Teilen von Verantwortung dazu bei, dass ein WIR-Gefühl entsteht.

Die Beratung wird oft in Situationen gebucht, wenn Familien an einem „spannenden“ Punkt stehen, also zum Beispiel erneut ein Kind erwarten, oder direkt bei der Familiengründung. Es ist auch wirklich sinnvoll, diese Themen frühzeitig anzugehen. Je später ihr euch damit auseinandersetzt, umso festgefahrener sind die Strukturen schon.

Ich konnte euch neugierig machen und ihr wollt gerne mehr über die Beratung erfahren? Für mehr Details einfach auf den Button klicken: