Zähneputzen bei Babys

Die ersten Zähne eures Babys

Zähne sind ein Thema mit dem wir uns alle in unterschiedlichen Phasen unseres Lebens das eine oder andere Mal auseinandersetzen müssen. Ihre Gesundheit hängt stark mit der unseren zusammen, wir sind auf sie angewiesen und sollten sie möglichst lange erhalten und dafür entsprechend pflegen.

Meist so um den 6. Lebensmonat bricht der erste Zahn durch, gefolgt von meist 19 weiteren Milchzähnen. Nicht nur, dass deren Wachstum mit Schmerzen verbunden sein kann, auch müssen sie direkt von Beginn an angemessen umsorgt werden. Das umfasst zum Beispiel das zwei mal tägliche Zähneputzen.

Babys Zähneputzen – Aber wie und wie lange?

Was die Länge angeht (Wie lange putzen pro Zahn?), gibt es keine Empfehlung. Viele Eltern versuchen es direkt 2-3 Minuten am Stück. Bloß nicht! Das ist viel zu lange für die Kleinen. Es schadet den Zähnen sicherlich nicht, der Kooperationsbereitschaft des Kindes schon. Wichtig ist es jeden Zahn wenigstens einmal gründlich von allen Seiten geputzt zu haben.Zu Beginn eignen sich textile Fingerlinge besonders gut, diese sind weich und anschmiegsam, saugen Speichel und Zahnpasta gut auf, tun dem Baby (im Gegensatz zu den Gummifingerlingen möglicherweise) nicht weh und können von der erwachsenen Person sensibel gesteuert werden. Später kann man dann auf eine entsprechende Baby-Zahnbürste mit möglichst weichen Borsten umsteigen. Hier gilt: Möglichst ohne Druck putzen! Wichtig ist es dabei außerdem, sowohl über die Zähnchen („KAI“: Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen) zu putzen als auch über die noch unbezahnten Kiefer. So gewöhnen sich die Kleinsten ganz schnell an das Ritual Zähneputzen.

Auswahl der Zahnpasta

Die „Empfehlung zur Kariesprävention mit Fluorid im Säuglings- und frühen Kindesalter vom Bundeszentrum für Ernährung“ empfiehlt die Nutzung einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1000ppm) in Reiskorngröße(!) ab dem ersten Zähnchen, alternativ das Geben von Fluorid-Tabletten.

Zur Zahnpasta gibt es außer bezüglich des Fluorid-Gehalts keine konkreten Vorgaben, wobei tendenziell welche ohne Geschmack vorzuziehen sind. Stiftung Warentest und Ökotest kamen zu dem Ergebnis, dass man qualitativ hochwertige Pasten nicht am Markenlabel und einem oftmals damit einhergehenden höheren Preis festmachen kann.
Bei den Inhaltsstoffen sollte vor allem auf den RDA-Wert geachtet werden. Dieser steht für den „Schmirgel-Effekt“ (Relative-Dentin-Abrieb) und optimal sind Werte <80. Zahncremes mit einem hohen RDA-Wert enthalten oft Titandioxid oder Aluminiumdioxid. Sanfter zu den Zähnen sind Kieselsäure oder Kreide. Mikroplastik in Zahnpasta hingegen nennt sich Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) und sollte nicht enthalten sein.

Babys beim Zahnen unterstützen

Eigentlich verrückt, wie unterschiedlich es Babys/Kleinkindern damit geht, Zähne zu bekommen. Manche Eltern merken es einfach durch Zufall, dass wieder ein neuer Zahn da ist, andere begleiten ihr Kind intensiv über Wochen beim Durchbruch eines Zahns. Falls euer Kind zur zweiten Gruppe gehört, oder zumindest Beschwerden hat, möchte ich euch hier ein paar Tipps geben wie ihr euer Kind unterstützen könnt:

  • Beißring oder ähnliches (ggf. gekühlt)
  • Ein nasser, kalter Waschlappen oder ähnliches zum darauf herumkauen
  • Körperkontakt, also kuscheln, getragen werden (zum Beispiel im Tragetuch)
  • Massage des Zahnfleischs (zum Beispiel mit eurem Finger, einem Fingerling oder einer Baby-Zahnbürste mit Noppen)
  • Ablenkung durch Spielsachen, Eindrücke usw.
  • Schmerzmittel in Form von Saft oder Zäpfchen, je nachdem was das Kind eher annimmt (Höchstdosierung nach Packungsbeilage niemals überschreiten, aber grundsätzlich durchaus eine Option, wenn das Kind sehr leidet)
  • Zahngels“ sind durchaus umstritten, manche raten grundsätzlich ab, andere schwören drauf. Hier gilt: sie wirken nur kurz, außerdem ist es wichtig, sich unbedingt an die Dosierungsangabe zu halten und die Packung außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren. Pflanzliche sind zu bevorzugen, sie sind sparsam einzusetzen und informiert euch bitte vorher selbst über die Inhaltsstoffe, (sind sehr unterschiedlich)!
  • Als Alternative schwören viele auf bspw. das Zahn-Öl der Bahnhofsapotheke, das äußerlich angewendet wird. Informiert euch hier gerne selbst.

Was nicht nachgewiesen hilft sind zum Beispiel Globuli und Bernstein (bei Ketten außerdem Strangulationsgefahr!), bei der Veilchenwurzel können Teile abgebissen werden, außerdem sammeln sich an ihr viele Keime, was sie unhygienisch werden lässt.

Achtung: Sticks aus bspw. Karotte bergen die Gefahr, dass Teile abgebissen werden (sie sind hart und bergen ein Erstickungsrisiko!) und sind für den Verdauungstrakt sowieso vor Beikostreife grundsätzlich ungeeignet.

Das erste mal zur Zahnärztin

Der zahnärztliche Kammerbereich hat ein U-Heft mit empfohlenen Untersuchungszeiträumen veröffentlicht. Dies sieht den ersten Besuch zwischen dem 6.-7. Lebensmonat vor, den zweiten zwischen dem 10.-12. und den dritten zwischen dem 21.-24 Lebensmonat vor. Wichtig: Der Besuch soll unabhängig davon ob bereits Zähne vorhanden sind stattfinden.

Ich empfehle ganz klar keinen Druck zu machen, sich als erwachsene Person nicht stressen zu lassen, selbst Vorbild zu sein (als erstes auf den Stuhl) und Körperkontakt anzubieten. Und vor allem: duldet keine Grenzüberschreitungen, stellt euch ggf. vor euer Kind!“

Wie oft sollten Kinder dann in die Praxis kommen? Generell werden halbjährliche Kontrollen, empfohlen, so gewöhnen dich die Kinder am besten an das Prozedere und die Personen. Zu den Untersuchungen gehören übrigens auch eine praktische Demonstration des Zähneputzens, sowie Aufklärung und Informationen zu Zahnpasta, Zahnbürste, Schnuller und Ernährung. Ein früher Besuch lohnt sich also wirklich. Sollte das Kind ungern kommen, Angst haben oder ähnliches, kann es auch sinnvoll sein eine Zeit lang mal alle 3 Monate vorbeizukommen, sprecht da eure Praxis ggf. einfach mal drauf an.

Lohnt sich der Besuch einer Praxis, die auf Kinder spezialisiert ist und wenn ja, warum? Praxen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Kinder- und Jugendzahnheilkunde sind spezialisiert und extra auf die Kinderbehandlung mit all ihren Besonderheiten, Herausforderungen und Schwierigkeiten ausgebildet. In einer „normalen“ Praxis stören Kinder oftmals den normalen Betrieb, weil mehr Zeit für ausführliche Erklärungen und Demonstrationen benötigt wird. Außerdem sind es die Zahnärzt*innen in spezialisierten Praxen im Idealfall gewöhnt, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und haben oft auch besondere Ausstattung, wie Spielsachen oder auch Bildschirme über den Behandlungsstühlen. Wenn ihr allerdings das Gefühl habt eure Zahnärztin oder euer Zahnarzt geht gut auf euer Kind ein, nimmt sich Zeit und kennt sich aus, spricht natürlich nichts dagegen, weiterhin mit dem Kind in die Praxis zu gehen.

Ich hoffe, ich konnte euch hilfreiche Informationen zum Zähneputzen und den ersten Besuchen eures Babys bei der Zahnärztin bzw. dem Zahnarzt geben. Solltet ihr Schwierigkeiten beim Putzen haben weil sich euer Kind wehrt, schaut euch gerne mal meine Beratung zu Herausforderungen im Alltag an.